CDU-Politiker: Schwulsein ist krank, Schwule sind Kriminelle


Bis zum letzten Punkt „Anträge“ war es eine ziemlich normale Hauptversammlung des CDU-Ortsverbandes Meersburg: trotz Neuwahlen und einer nüchternen Bilanz des scheidenden Vorsitzenden Hans-Heinrich Gerth. Doch dann verlas der neue Vorsitzende Martin Frick die Anträge von Werner Leicht aus Stetten. Zum einen erregte er sich über das EU-Kruzifix-Urteil, denn er befürchtet, dass es auch in Deutschland zur Entfernung von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden führt. Der CDU-Ortsverband solle beim EU-Gerichtshof Protest einlegen. Und dann stört den Diplom-Ingenieur, dass die neue Regierung, wie er gehört habe, die „Gleichstellung der Homo-Ehe weiter vorantreiben wolle“. Er verlangt, der Ortsverband möge den „Mandatsträgern“ schreiben, dass er dies ablehne.

Leicht bekommt Schützenhilfe von Anton Model. Dieser ereifert sich über den homosexuellen Hamburger Regierenden Bürgermeister Ole von Beust, dem er schon mal habe schreiben wollen, „weil er bei einer Schwulenparade dabei war.“ Model fragt sich: „Was ist mit dem C in CDU?“

Zwar versucht der alte Politfuchs Werner Endres noch, zwischen den erregten Äußerungen, die Luft raus zu nehmen. Dabei geht er weniger auf ihren Inhalt ein, sondern verweist auf die vielen innerparteilichen Hürden und die geringe Chance, bis ein Antrag aus einem Ortsverband tatsächlich bei einem Bundesparteitag ankommt.

Doch die Debatte ist nicht mehr zu stoppen. Der 19-jährige Adrian Künstler wirft ein: „Ein Grund, warum es weniger Zulauf zur christlichen Partei gibt, ist diese Intoleranz.“ Leicht retourniert: „Junger Freund, der große Fehler kam“, als man Homosexualität nicht mehr als Krankheit angesehen habe. Das sei sie aber und sie trage dazu bei, dass die Bevölkerung immer mehr abnehme. Als Künstler entgegnet, Homosexualität sei „keinesfalls gesellschaftsvernichtend“, kann Leicht gar nicht mehr an sich halten und bezeichnet Homosexuelle als „pervers“. Horst-Peter Schieber „beschwichtigt“: „Wir müssen mit der Zeit gehen“, obwohl: „Ich bin auch nicht dafür, dass so Schwule rum rennen.“

Steffen Rötzer meldet sich: „Ich kann nur davor warnen, dass man wegen einer Eigenschaft auf einen Menschen zeigt und sagt: ‚Das ist ein schlechter Mensch!’“ Man müsse sich vielmehr selbst fragen: „Was können wir dagegen tun?“ Rötzers Antwort: Wenn es gelänge, den Familien wieder mehr Raum zu geben, dann könne man diese „neuen Phänomene“, die „Strömungen, die man nicht haben will, an den Rand drängen.“ Gemeint ist damit wohl die Homosexualität.

Frick, frisch gewählt, hat die Debatte bisher laufen lassen und versucht nun, so etwas wie versöhnliche Töne anzuschlagen: „Da auch die Bibel nicht dazu schweigt, meint Herr Leicht vielleicht, dass die CDU sich damit auseinander setzen muss.“ Man beschließt, ohne darüber unter den rund 30 Anwesenden direkt abzustimmen, das Thema weiter im Vorstand zu diskutieren. Karl-Heinz Horn fügt noch hinzu, die Familie und die Kirche müssten wieder mehr an Bedeutung gewinnen, doch man könne nicht gegen bestehende Gesetze vorgehen. Ein CDU-Mitglied sagt zu Leichts Ansichten leise: „Und da wundert man sich, wie das Dritte Reich entstanden ist.“ Er und ein paar andere spenden Künstler Beifall. Über Leicht sagt Schüler Künstler laut: „Die Meinung stirbt mit ihm aus.“

Textquellen:

1., 2.

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