CVJM-Bildungsreise gen USA – Schwulenhass inklusive – für nur $99


Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, wie sich Schwulenhasser vermehren? Da Dummheit nicht erblich ist, muss man den Hass auf schwule Menschen, nebst der dazugehörigen Homophobie, erlernen. Jahrhundertelang ging dies bequem über das – zumindest in der westlichen Welt – christlich dominierte Bildungswesen. Doch die – aus ihrer Sicht berechtigte – Sorge religiöser Fanatiker, das staatliche Bildungswesen nicht mehr dauerhaft für ihre Zwecke mißbrauchen zu können, lässt die Protagonisten evangelikaler Kampfeinheitenverbände die Eigeninitiative ergreifen.

Peter LaBarbera (Porno Pete) ist einer der Vorkämpfer gegen schwule Männer. Mit seiner AFTAH (Americans for Truth About Homosexuality), in den USA offiziell als Hate-Group anerkannt, bietet er neuerdings Dreitagesseminare an:

……to “train young people (as well as older pro-family advocates) how to answer ’gay’ activist misinformation and fight the homosexual-bisexual-transsexual agenda.”

Die Erziehung zu einem homophoben Menschen ist nicht unentgeltlich zu haben. Der Dreitagechrashkurs kostet für Kinder und Jugendliche USD 99 und für Erwachsene USD 149. Wer meint, schon nach einem Tag mit ausreichender Hassmethodik versorgt zu sein, zahlt nur USD 50. Die Teilnahme wird mit einem Zertifikat bestätigt.

Über mangelnde Nachfrage wird sich die AFTAH nicht beklagen müssen. Vermutlich werden schon im nächsten Jahr auch Teilnehmer aus Deutschland anreisen. Der CVJM-Gesamtverband in Deutschland e. V. bekommt mit Roland Werner ab dem 01.04.2011 einen neuen Generalsekretär. Bei dem CVJM, obgleich als ökumenische Einrichtung ausgegeben, handelt sich um einen von Ulrich Parzany (ProChrist – ContraMensch) in den Jahren 1984 bis 2005 streng evangelikal ausgerichteten Verein, der sich gegen schwule


Menschen wendet. Der Kreisverband Lippe zum Beispiel verlinkt auf seiner Homopage nach wuestenstrom, während die sächsische Untergliederung zusammen mit Campus für Christus Seminare zur Umorientierung homosexueller Menschen anbietet. Der Gesamtverband stellte sich schützend vor das sich gegen schwule Menschen richtende Christival 2008.

(…)

Interessant, oder? Da sind die Fundamentalkatholiken, Nazis, Evangelikalen und sonstigen Ideologen, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als schwulen Menschen (und den Mitmenschen schwuler Menschen) zu erklären, das schwule Männer und lesbische Frauen minderwertig sind. Schwule Menschen werden als von Gott nicht gewollte Normabweichler dargestellt. Wenn das nun dazu führt, dass schwule Menschen von ihren Mitmenschen abgelehnt und ins Aus gestellt werden, steht Roland Werner parat, um die Schwulen zu heilen und ihnen zu helfen, sich der von ihm gepredigten Norm anzupassen. Werner argumentiert aus und mit seinem christlichen Glauben und bildet in seinem Buch wiederholt zwei Gruppen, die der schwulen und die der nicht schwulen Menschen. Letztere sind für Werner die aufrechten, gottgefälligen Christen.

Diese Christen, Roland Werner geht voran, verachten und verleumden die erstgenannte Gruppe. Sie üben Druck, psychisch und nicht selten auch physisch, auf schwule Menschen aus. Werner, ganz der gute Christ, möchte diesen Druck von den schwulen Menschen nehmen, aber nicht indem er die zweite Gruppe anhält, endlich mit den Verleumdungen und Verfolgungen aufzuhören, sondern indem er den schwulen Menschen zunächst erklärt, sie seien an den Anfeindungen durch die Christen schuld und schuldig. Von dieser Schuld könnten sie nur befreit werden, wenn sie sich endlich zu normalen, vollwertigen Menschen bekehren ließen. Dann sei die zweite Gruppe in ihrer Haltung bestätigt, gebe Ruhe und die Christenheit fände endlich ihren Frieden.

Werner verwechselt Ursache und Wirkung, schon deshalb wird seine Argumentation an dieser Stelle gegenstandslos. Aber sein Büchlein hat noch viele Seiten mehr. Werner schildert, dass seiner Ansicht nach viele schwule Männer irrtümlich der Ansicht seien, ihre Homosexualität sei etwas Angeborenes, Vorgegebenes und nicht Veränderbares. Homosexualität sei aber, so Werner, nichts anderes als suchtartiges Verhalten.

Suchtartiges Verhalten? Nun, ranghohe Funktionäre der römischen Katholiken haben in den vergangenen Monaten mehrfach Homosexualität und Alkoholismus gleichgesetzt; offenbar lesen sie Werner. Die These des Papstes, im Jahr 2008 vorgetragen, dass die Umweltzerstörung etwas mit der Homosexualität zu tun habe, ist bei Werner schon zwanzig Jahre zuvor zu lesen:

Die Zerstörung der Umwelt ist ein Spiegelbild zur Zerstörung in der Innenwelt.

(…)
Für den Fall, dass schwule Menschen, obwohl Werner ihnen erklärt hat, dass sie krankes, unwertes Leben vor seinem Gott sind, sich nicht heilen lassen wollen oder ihrem depressivem Leben nicht selbst ein Ende setzen, für den Fall, dass die von Werner & Co aufgehetzte Meute nicht den sich der Heilung verweigernden Schwulen den Garaus macht, will Werner die Staatsgewalt losschicken – wir kennen es aus dem Deutschland vergangener Tage, wir können im heutigen Uganda beobachten, wie die Evangelikalen dort ihren mörderischen Hass in ein Gesetz kleiden wollen.

Über die Notwendigkeit gegen schwule Menschen vorzugehen darf es laut Werner keine Diskussion geben. Einen Diskurs über die Daseinsberechtigung homosexueller Menschen lehnt er rundweg ab:

„Der Hirte muß die Wölfe angreifen und nicht Friedensverträge mit ihnen abschließen.“

(…)

Gesamtbeitrag bei Steven Milverton nachzulesen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Christliche Gotteskrieger, Christliche Terroristen, Gay, Heiliger Krieg, USA abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s