Brauchen Jugendliche ein eigenes Kondom?


Ja, sagt die Aids-Hilfe Schweiz und hat ein «Jugend-Kondom» lanciert. Doch über dessen Sinn und Zweck streiten sich gar Fachleute, die am Projekt beteiligt sind.

Für Jugendliche geeignet: «Ceylor Hotshot» ist enger als ein Standard-Kondom.

In der Schweiz ist seit Kurzem ein Kondom erhältlich, das enger ist als das herkömmliche Standard-Kondom und darum für Jugendliche geeignet ist. Diese haben nämlich oft Mühe, ein passendes zu finden. Und ist ein Kondom zu gross, besteht die Gefahr, dass es abrutscht – dann ist der ganze Schutz dahin.

Darum hat die Aids-Hilfe Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Ceylor und der Stiftung für sexuelle Gesundheit «Planes» ein engeres Kondom namens «Ceylor Hotshot» lanciert. Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: «Aids-Hilfe lanciert das Kinder-Kondom», titelt «20 Minuten» heute. Bereits wetterten Politiker über die «Verluderung der Moral». Ihre Bedenken: Das Kondom könnte die Jugendlichen, die heute ohnehin schon sehr früh mit Sexualität und Pornographie konfrontiert sind, dazu verführen – oder gar unter Druck setzen – , früher Sex zu haben. Auch dass die Kondome an Schulen zusammen mit Gleitmittel verteilt werden, stimmt nachdenklich.

«Kein Kondom für Jugendliche»

Sogar Fachleute, die an der Entwicklung des Präservativs beteiligt waren, sind offenbar nicht einig über Sinn und Zweck des sogenannten Jugend-Kondoms: «Das ist kein Kondom für Jugendliche, sondern ein engeres für den etwas kleineren Penis», sagt ein Sexualpädagoge, der in das Projekt involviert ist, namentlich aber nicht genannt werden will: «Und das ist ein grosser Unterschied.» Dass nun von einem «Jugendkondom» gesprochen werde, sei auf eine Fehleinschätzung zurückzuführen. Ein Kondom für 12-Jährige mache keinen Sinn, allein schon weil sich in dem Alter durch das Wachstum vieles verändere und die Jugendlichen an den unterschiedlichsten Punkten ihrer Entwicklung stehen. Auch würden Männer dazu neigen, die Grösse ihres Penis zu überschätzen.

Dem widerspricht jedoch die Initiantin Aids-Hilfe Schweiz: «Unsere Motivation für dieses Kondom waren ganz klar die Jugendlichen», sagt Sprecherin Bettina Maeschli. «Selbstverständlich wollen wir damit auch erwachsene Männer ansprechen. Es geht schlicht darum, die Grösse zu thematisieren, weil es auf dem Markt kein enges Kondom gibt», so Maeschli. Die Kondome würden auch nicht einfach auf dem Pausenhof verteilt, sondern im Rahmen der Sexualaufklärung.

«Schaden kann es nicht»

Von einem Verfall der Moral wollen die Experten aber nichts wissen: «Ich stelle das Jugend-Kondom zwar infrage, finde es aber per se nicht problematisch», sagt Esther Elisabeth Schütz, Leiterin des Instituts für Sexualpädagogik in Zürich. «Schaden kann es nicht.» Die Sexologin glaubt, dass es eher darum gehe, junge Kunden an die Marke zu binden. Dass «Hotshot» bei den Jugendlichen ein Renner wird, bezweifelt sie aber trotzdem. «Die Jugendlichen wollen doch kein extra für sie konzipiertes Kondom. Das fänden sie peinlich. Sie wollen erwachsen sein und wählen deshalb eher das Produkt für Erwachsene.»

Dass das Kondom ab 12 Jahren eine falsche Botschaft geben und Jugendliche zu frühem Sex verleiten könnte, glaubt Schütz ebenso wenig: «Wir klären Kinder bereits ab 10 Jahren auf. Deswegen haben die Kinder trotzdem nicht schon ab diesem Alter Sex.» Hauptsache sei, dass die Jugendlichen beim Kauf eines Kondoms eine Wahl haben und Fachleute im Vorfeld mit den Teenagern über Sexualität gesprochen haben.
(Thurgauerzeitung.ch/Newsnetz)

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