Wanderausstellung über Entwicklung und Folgen der Homosexuellenverfolgung im „3. Reich“


Krankhaft veranlagte Wesen
Berlin: Wanderausstellung klärt über Entwicklung und Folgen der faschistischen Homosexuellenverfolgung auf

Einen tiefgründigen Beitrag zur Aufklärung über die Verbrechen der deutschen Faschisten leistet die Wanderausstellung »Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft – Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit«. 46 Ausstellungstafeln informieren detailliert über den Vernichtungsparagraphen 175 und seine Folgen für die betroffenen Männer. Seit einigen Tagen ist die von der der AG »Rosa Winkel« im »Kulturring in Berlin e.V.« erarbeitete und um sieben neue Tafeln erweiterte Präsentation im Berliner Stadtteil Spandau zu sehen.

Dargestellt wird die Entwicklung von der Weimarer Republik bis zum Ende des Hitlerregimes. Der 1935 in Kraft getretene Paragraph 175 sah hohe Gefängnisstrafen für »Unzucht zwischen zwei Personen männlichen Geschlechts« vor. Rund 50000 Schwule wurden in der Zeit von 1932 bis 1943 erwiesenermaßen inhaftiert, deportiert und ihrer bürgerlichen Rechte beraubt. Konkrete gesetzliche Bestimmungen für die Verfolgung lesbischer Frauen gab es nicht, sie wurden als »Asoziale« oder »sittlich Verwahrloste« jedoch ebenfalls in Gefängnisse und Konzentrationslager gesperrt. Die Ausstellung beleuchtet die Prägung der Schwulenverfolgung durch die faschistische Ideologie. So betonte Hitler, Schwule würden die Zukunft des deutschen Volkes gefährden, den »Volkskörper verseuchen«, seien krankhaft veranlagte Wesen.

Die Ausstellung macht deutlich, daß die Nazis bei der »Ausmerzung solcher Elemente« tatkräftig von der Bevölkerung unterstützt wurden. 50 Prozent der Verurteilungen gingen auf Denunziation zurück. Für eine Verurteilung reichte der bloße Verdacht. Darüber hinaus konnten Kriminalpolizei und Gestapo mit Hilfe der sogenannten Vorbeuge- und Schutzhaft die wenigen Freisprüche eigenmächtig »korrigieren«. In Gerichts- und Polizeiunterlagen finden sich Darstellungen wie die folgende: »Eine strafbare Handlung kann dem Verurteilten in dem jetzt vorliegenden Fall nicht nachgewiesen werden, seine Entlassung erscheint aber nicht zweckentsprechend, da anzunehmen ist, daß der Verdächtige sofort seinen homosexuellen Trieben wieder nachgeht. Die Unterbringung in einem Konzentrationslager erscheint daher dringend erforderlich.«

In der überarbeiteten Exposition erfährt das mutige Wirken von Rechtanwälten bei der Verteidigung Homosexueller eine besondere Würdigung. Herausragendes Beispiel ist dabei der Anwalt und spätere Spandauer Bürgermeister Dr. Richard Münch. Außerdem werden auf einer der neuen Tafeln die Schicksale von Polizeibeamten dokumentiert, die, weil sie im Verdacht standen, homosexuell zu sein, vor Kriegsende erschossen wurden. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch wird am heutigen Mittwoch am Standort des ehemaligen Spandauer Polizeiarrests eine Tafel zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten Homosexuellen enthüllen.

Ausstellung im Rathaus Spandau bis 21. April, täglich 8–16, Di/Do bis 18 Uhr

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