LIEBE – WIE DU WILLST!


Im Juni 2011 haben das Jugendbildungswerk Gießen und die pro familia Beratungsstellen Gießen und Marburg eine Kampagne gestartet. „Mit ‚Liebe wie du willst‘ wollen sie offensiv dafür eintreten, dass jeder Mensch sein Grundrecht wahrnehmen kann, seine sexuelle Orientierung zu leben und seine sexuellen Beziehungen frei zu wählen, soweit nicht andere dadurch in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt werden. Eigentlich sollte das ja selbstverständlich sein, denn noch immer ist „schwul“ im Alltag eines der gebräuchlichsten Schimpfworte und Klischees über homosexuelle Menschen machen die Runde: „Schwule sind unmännlich“, „Lesben haben keinen Mann abbekommen“. Gegen diese rein bürgerliche Kampagne, die notwendig aber bei weitem nicht weit genug geht, regt sich jetzt Widerstand aus der fundamentalistischen und der rechtspopulistischen Ecke.“ so informiert die Kampagne.

Professor Wolfgang Leisenberg aus Bad Nauheim, nach eigenen Angaben, Jahrgang 1942, verheiratet, zwei Kinder Geschäftsführer einer Firma, zu seinen Interessen zählen u.A. Religion, Philosophie und Psychologie – was er in seiner Vita nicht schreibt, er ist Mitglied einer fundamentalistisch-evangelikalen Sekte – hat nun eine Online-Petition gegen die Kampagne „Liebe wie du willst“ gestartet und bekommt sowohl Rückendeckung aus der evangelikalen Ecke, als auch von Rechtspopulisten.

Nach seinem Weltbild sind „Staatliche Stellen (…) zu allererst dem Wohl und damit der Zukunft des ganzen Volkes verpflichtet“, so Leisenberg in seiner Begründung. Nur die Familie könne das Überleben der Menschheit sichern.

Seit dem 9. August haben über 1700 Menschen (Stand 21. August) diese Petition unterzeichnet. Da die Unterschriftenlisten auch Ausgedruckt werden können um in der öffentlichkeit sammeln zu können, erinnert diese Gegenkampagne stark an die unsägliche, CDU Kampagne gegen die sogenannte „Doppelte Staatsbürgerschaft“ die Roland Koch 1999 zum Ministerpräsidenten von Hessen machte. Oft konnte man hören: „Wo kann man hier gegen die Ausländer unterschreiben?“ Ob inzwischen zu hören ist: „Wo kann man hier gegen die Schwulen unterschreiben?“ wissen wir nicht, annehmen kann man es allemal.

Die Rechtspopulisten von PI-News, einer Homepage die sowohl der sogenannten Partei „Die Freiheit“ als auch „Pro Deutschland“ nahesteht titelt: „In Hessen will man jetzt aggressiv möglichst alle Werte zerstören. Die Stadt Gießen hat eine Kampagne gestartet, bei der jegliche Art von ungezügelter Sexualität vorangetrieben werden soll.

Bei kath.net ist zu lesen: „Jugendliche sollen mit Homopropaganda „überflutet“ werden!“

Auf der in den USA beheimateten Homepage kreuz.net kann man u.A. lesen: Gießen hat eine Kampagne gestartet, um ihre Jugend in den Sex-Graben zu fahren.“ Von „Homo-Unzucht“ und „andere(n) sexuelle(n) Störungen“ trieft der Artikel gegen die Kampagne. „Schüler werden auch zu „Begegnung und Austausch“ mit Seuchen-Homos gezwungen.“ so die klerikal-faschistische Homepage, der man rechtlich nicht beikommen kann, da wie geschrieben der Server in den USA liegt.

Auch bei Medrum.de, einer weiteren evangelikalen Homepage, kann sich der Gläubige Fundamentalist austoben. In den Kommentaren findet man: „Es ist genauso wie vor der Sintflut. Satan zieht jetzt schon alle Register.“ oder auch „Wie krank sind diese Menschen, denen wir unsere Kinder anvertrauen? Was unternimmt unsere Regierung gegen einen solchen widernatürlichen Wahnsinn?“

DKP queer ist der Meinung, die Kampagne „Liebe wie du willst“ ist notwendig, geht aber nicht weit genug.

In unseren Forderungen schreiben wir: „Wir brauchen eine wissenschaftlich fundierte, humanistische Sexualerziehung in den Schulen und in öffentlichen Jugendeinrichtungen! Um ungerechtfertigten Ängsten vor Sexualität in ihren unterschiedlichen Ausprägungen entgegen zu wirken, ist in der Schule darüber Aufklärung notwendig. Es sind an Schulen Möglichkeiten zu schaffen, dass Jugendliche über ihre individuelle Sexualität reflektieren und sich allgemein über Sexualität informieren können. Sexualität ist als etwas Positives, mit gegenseitiger Wärme und Zuneigung Verbundenes, darzustellen. Die Schüler sind zur Erforschung und Entfaltung der eigenen Bedürfnisse durch einen solch fortschrittlichen Sexualkundeunterricht zu ermutigen. Sexualkunde muss fester Bestandteil des Lehrplans sein, darf nicht erst in weiterführenden Schularten behandelt und nicht von einer Einwilligung der Erziehungsberechtigten abhängig gemacht werden. Aufklärungsbücher/-schriften dürfen nicht als pornographisch angesehen werden, sondern müssen zu allen Lebens- und Liebensweisen erlaubt werden, sein und bleiben. Das Kindeswohl muss an erster Stelle bei allen staatlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen stehen. Es sind Stellen zu schaffen, in denen jugendliche Opfer sexueller Diskriminierung einen Schutzraum finden, sollte sich ihr Umfeld gegen sie wenden.“

Bisher hat es noch nie einen Christopher Street Day (CSD) in Gießen gegeben. Wir sind der Auffassung, nächstes Jahr ist dies notwendiger denn je, eine politische Demonstration gegen Homophobie auch in Gießen auf die Straße zu bringen.

Text: DKP-queer Plakat: ÖZI’S COMIX STUDIO

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