Homevideo


Ein Film, der gestern Abend in der ARD lief

Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe und nun klarere Gedanken habe, möchte ich etwas zu diesem Film schreiben. Es handelt sich darum, das ein eher verschlossener Jugendlicher, der 15-jährige Jacob, von sich selbst ein Video dreht. Was ansich nicht ungewöhnlich ist. Jedoch filmt er sich selbst beim Wixen und sagt in diesem Video aus, das er eine Mitschülerin – Hannah – liebt.

Die Kamera gerät aber, samt Speicherkarte, in falsche Hände. In die Hände von Mitschülern, die ihn ohnehin bereits wegen seiner Verschlossenheit schikanieren. Somit bekommt die Handlung eine gefährliche Wendung. Das Video landet im Internet, der Vater  – Polizist – reagiert damit, den Tätern mit Strafrechtlichen Konsequenzen zu drohen, anstatt zu erkennen, was wirklich los ist mit seinem Sohn. Der Sohn reagiert, indem er einen der Täter auf dem Schulhof niederschlägt. Der Direktor der Scule entfernt den vermeintlichen Störenfried, das Opfer, von der Schule. Der Vater des Mädchens, in das er verliebt ist, spricht bereits von „Kinderschänder“…

Nur, so ein video, wenn es denn einmal im www ist, ist nicht wieder wegzubekommen zumal dann auch nicht ermittelt werden kann wer das Video online gestellt hat. Somit ist es  auch für Jacob nahezu unmöglich, mal eben die Schule zu wechseln.

Die Pöbeleien werden schlimmer, Jacob wird massiv angegriffen, zumeist über einen Schülerchat. Somit sieht Jacob keinen Ausweg und erschießt sich mit Vaters Dienstwaffe am Elbstrand…..

Auf den ersten Blick ein sehr gut dargestellter Film mit einem sehr ernsten Hintergrund. Mit einer Problematik, die immer mehr – nicht nur schwule – Jugendliche betrifft. Auch wenn es keine schwule Thematik ist, so hat doch der Film sehr eindrucksvoll gezeigt, wie Eltern, Lehrer und auch Mitschüler gleichgültig bis hilflos dem Thema gegenüber stehen.

Jedoch finde ich manche Sachen etwas arg übertrieben. Der jähzornige Vater, der ganz gerne mal zur Flasche greift, die Mutter, die sich vom Vater trennt und zu ihrer Freundin zieht, weil sie mit einem mal merkt das sie Lesbisch ist.

Auch ist es ziemlich unrealistisch, das der Junge sich erschießt. Denn in den meisten Fällen wird der Tod anderweitig herbeigeführt. Obwohl es egal ist wie und wo, viel schlimmer ist, das es aufgrund von Ohnmacht und/oder gleichgültigkeit überhaupt so weit kommt.

Trotzdem wäre es sicher hilfreich, das Thema nicht nur hinterher im Chat oder bei Anne Will zu diskutieren, mit oberschlauen Wissenschaftlern und Politikern, die natürlich immer alles besser wissen, sondern das Thema offen in Schulen, Berufsschulen, etc. immer wieder anzusprechen, Tolerante, engagierte Lehrer oder besser noch, Sozialarbeiter mit Anlaufstellen für Suizidgefährdete, gemobbte Schüler zu betrauen. Leider wird dies immer an Kosten festgemacht. Nur, wieviel ist uns das Leben der jugendlichen wert? Auch ist es erschreckend, das nicht darauf eingegangen wird, das die Suizide unter homosexuellen Jugendlichen um ein vielfaches höher sind.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=15014

http://www.queer.de/detail.php?article_id=15205

Nachtrag,  23.10.11: Ich lasse es nicht zu, das hier einige meinen, sie könnten den Kommentarbereich dazu nutzen ihrem Hass auf schwule freien Lauf zu lassen! Ich lasse es nicht zu, das Schwule als „AIDS-Monster“, „Kranke“ oder „Randgruppe“ beschimpft werden, denn genau solche sprüche führen dazu, das sich schwule Jugendliche das Leben nehmen, womit die ganze Diskussion ad absurdum wäre! Bitte, Leute, ist es denn so schwer mal nicvht tendenziös zu schreiben?

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Dieser Beitrag wurde unter Coming Out, Jugendliche, Keiner ist schuld, Suizid, TV und Werbung abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Homevideo

  1. Lu Tz schreibt:

    Joa, ein durchaus gelungener Film. Dein Beitrag ist auch vollkommen in Ordnung. Leider wird die ARD sich dagegen sträuben, das Thema Mobbing-Jugendliche-Homosexualität jemals so aufzugreifen. Aber immerhin haben sie es mal geschafft, ausser schöne heile Welt TV mit gehirnamputiertenvolksmusikparade einen Film mit einem ernsten und durchaus reellem Hintergrund zu bringen.

    Zu Deiner Passage, das er sich erschießt: Nun, woher wusste er den Code von Vaters Waffenschrank? Sicher, die meisten Suizide geschehen auf andere Weise. Dazu auch dies als durchaus realistische Darstellung: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/585/umfrage/selbstmordmethoden-in-deutschland-2006/

  2. das auch nicht schreibt:

    Hallo erst mal

    Also ich finde es gut dass du dich überhaupt mit dem Thema auseinander gesetzt hast und auch deine Meinung dazu sagst. Leider gibt es bei lob auch Tadel. Und zwar kann man bestimmt für das Wort ‚wixen‘ ein besseres Wort finden. Zum Beispiel Selbstbefriedigung oder auch Onanieren.

    „Jedoch finde ich manche Sachen etwas arg übertrieben. Der jähzornige Vater, der ganz gerne mal zur Flasche greift, die Mutter, die sich vom Vater trennt und zu ihrer Freundin zieht, weil sie mit einem mal merkt das sie Lesbisch ist.“

    Das ist ganz und gar nicht übertrieben. Du selber sprichst von Homosexualität in deinem Blog, vergiss aber dass Homosexualität nicht nur Männer sondern auch Frauen betrifft. Es gibt viele Männer die verheiratet sind und Kinder haben und sich erst nach Jahren sagen dass sie sich eher zu Männer hingezogen fühlen und ihre Familien verlassen um ihr Leben so zu frühen wie sie es schon immer wollten und endlich frei sein können. Warum kann das auch nicht bei Frauen passieren?? Sind die Frauen in derselben Situation??
    Denn man kann nicht für gleichgeschlechtliche Beziehungen sein aber damit nur die Männer meinen und die Frauen ausschließen. Darüber solltest du mal auch eine Nacht schlafen…

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